Zu hohes Tempo schadet der Seele
Bill Hybels in: Die Kunst des Führens - Meine Führungsprinzipien auf den Punkt gebracht:
Nachdem ich einmal auf einer Konferenz in Deutschland gesprochen hatte, bot mir mein Übersetzer an, mich zum Flughafen zu fahren. Auf dem ersten Teil der Wegstrecke unterhielten wir uns locker über die stärksten Momente während der Konferenz. Wir fuhren durch ein Wohngebiet und unsere Unterhaltung passte gut zu dem gemächlichen, entspannten Tempo.
Doch dann fuhren wir auf die Autobahn, und je schneller mein Freund fuhr, desto weniger unterhielten wir uns. Als wir 250 Stundenkilometer erreicht hatten, verstummte die Unterhaltung vollends. Anstatt die angeregte Unterhaltung weiterzuführen, die wir beide genossen hatten, konzentrierten wir uns plötzlich nur noch darauf, den anderen Autos auszuweichen, um ja keinen Unfall zu bauen.
Ich denke, wir können hieraus etwas Wichtiges lernen: Leiter müssen ihr Tempo drosseln, sonst verbringen sie die wichtigsten und fruchtbarsten Jahre ihres Lebens zwar in irrem Tempo, aber innerlich fühlen sie sich leer.
Wenn ich heute spüre, dass mein Lebenstempo und meine “Seelenkurve” auseinanderdriften, stelle ich mir die einfache Frage: Wächst meine Seele in den verschiedenen Lebensbereichen oder schrumpft sie?
Zeigt meine Seelenkurve im Hinblick auf meine Beziehung zu Gott nach oben oder nach unten? Spüre ich die Gegenwart Gottes deutlicher, wächst meine Gewißheit, dass er in und durch mein Leben etwas bewirkt, tritt die Frucht des Geistes in mir stärker zum Vorschein und bin ich entschlossener denn je, bei der Ausbreitung seines Reiches mitzuhelfen? Wie steht es zwischen Gott und mir? (…) Wenn Ihre Seelenkurve in Mitleidenschaft gezogen ist, dann ist es vielleicht an der Zeit, so demütig zu sein und das Tempo zu drosseln. (…) “Gewinne nicht die ganze Welt”, sagte Jesus einmal, “und verliere darüber deine Seele”.
Dezember 8th, 2009 at 8:12 pm
Hallo lieber Benjamin Hildebrandt, Hut ab vor Ihrem Artikel. Da passe ich ja als Lebenstempo-Expertin gut zu Ihrem Thema. Wow. Bei 200 Stundenkilometer krieg ich Panik. Das habe ich letztens einem Freund gesagt, als er in seinem schnellen Auto davonraste und ich hinten drin. Das kann ich mir vorstellen, dass da keine Konversation mehr möglich ist bei 250 km/h. Interessante Frage, die Sie sich da stellen, wenn Ihr Lebenstempo und Ihre Seelenkurve auseinanderdriften. Ich beruhige mich immer wieder damit, dass alles seine Zeit hat … mal schneller und dann wieder gemächlicher. In diesem Sinne eine schöne Adventszeit. Herzlicher Abendgruß aus Frankfurt. Petra